Geschichte der Hofstätte Nr. 57
einstmals Straßensitzer
später Brinksitzerstätte
Im Dorfe
Besitzstand 1685: -
1878: 2,12 ha
In dem Meßregister anno 1685, in dem die urbar gemachten Ländereien der älteren Höfe erfaßt wurden, erscheinen die Angaben über die Stätte Nr. 57 als Nachtrag. Daraus können wir entnehmen, daß das Haus Nr. 57 im Jahre 1736 erbaut wurde.
Doch stand dieses erste Haus Nr. 57 nicht auf dem heutigen Hofplatz Nr. 57. Zur Zeit der Gründung wurde der Hofplatz dort angelegt, wo heute die Stätte Nr. 82 steht, also am Rand der damals breiten Dorfstraße.
Als Erbauer nennen die Urkunden Hans Hinrich Wiecke, der Schuster war. Das Kirchenbuch läßt aber erkennen, daß die Familie Wicke schon bald nach dem Dreißigjährigen Kriege zugewandert war.
Schon im Jahre 1653 heiratete Johann Wieke aus Lansbergen Catharina Abelman aus Wölpinghausen. Der älteste Sohn Heinrich (Burchardt!) wurde 1654 geboren. Schon der Enkel Leopold Heinrich Wicke war Schuster, als er 1736 im Alter von 44 Jahren starb. Die Familie lebte also schon ca. 75 Jahre als Mietwohner in Wölpinghausen bis Hinrich Wicke 1736 das Haus Nr. 57 erbaute.
Im Jahre 1810 übernahm Cord Heinrich Wilhelm Wicke die Stätte Nr. 57, dessen Frau aus der Stätte Nr. 26 stammte. Dieser Cord Heinrich Wihelm Wicke wird oft in dem alten Gemeinde-Rechnungsbuch (1820-1878) genannt. Er besorgte das Einziehen der Gemeindeabgaben in den Jahren von 1832 bis 1869. Die letzten 29 Jahre lebte er schon auf der Leibzucht.
Von seinem Bruder Johan Wilhelm Nicolaus (gest. 1831), der als Mietwohner und Schneider in der Stätte Nr. 57 lebte, berichtet das Kirchenbuch allerlei Außergewöhnliches:
Wicke hielt sich ohngefähr 5 Jahre in Holland auf, stand im Verdacht, dort seinen Bruder, der dort gleichfalls arbeitete, an die Seelenverkäufer (Matrose auf wenig seetüchtigen Schiffen) verhandelt zu haben. Auf der Rückkehr aus Holland gab er sich für einen französischen Grafen aus, bis der Betrug durch die Gendarmerie entdeckt wurde.
Über das Schicksal dessen Tochter Sophie, die auf der Stätte Nr. 7 als Mietwohnerin lebte und zuletzt Frau eines Dr. Strüve wurde, ist auf Hofblatt Nr. 7 nachzulesen.
Die Hofstätte Nr. 57 übernahm 1840 der Sohn und Anerbe Heinrich Wilhelm Wicke, der Schneidermeister war. Dessen Sohn Heinrich Wilhelm Wicke aber wurde Rademacher. Er war es auch, der den ehemaligen Hofplatz Nr. 24 im Jahre 1873 kaufte, um sein Handwerk darauf besser betreiben zu können. Seine erste Werkstatt, ein Fachwerkschuppen steht noch vor der Einfahrt zum Hofplatz Nr. 57.
Im Jahre 1905 heiratete August Widdel aus Schmalenbruch in die Stätte Nr. 57. Er betrieb neben der Landwirtschaft eine große Imkerei mit vielen Bienenkörben. Mit diesen wanderte er auch jeden Herbst in die Heide.
Quelle: Dorfbuch Wölpinghausen von Gerh. Lemke