Geschichte der Hofstätte Nr. 52


Die Hofstätte Nr. 52 wurde in den ersten Jahrzehnten nach Beendigung des Dreißigjährigen Krieges gegründet. Die Urkunden nennen Johann Sölter senior als den Gründer (1685). Es darf vermutet werden, daß er ein Angehöriger der Familie Sölter auf Hof Nr. 25 war; schon die Nachbarschaft dieses Hofes deutet darauf hin. Vielleicht hatte schon Johann Sölter, dessen Verwandten (Nr. 42) Müller waren, mit dem Ölschlagen (pressen) begonnen. Das Gewerbe, das etwa 200 Jahre lang auf der Hofstätte Nr. 52 betrieben wurde.

In der folgenden Generation melden die Urkunden „Johann Wilkening in Sölters Hause“. Später aber benutzt das Kirchenbuch bei der Familie Heinrich Wilkening die Zusätze „auf dem großen Brinke“ (1708), „hinter dem Berge“ (1721 u. f.) und „der Ölschläger“ (1733).

Wahrscheinlich hießen die Wilkenings zwei Generationen lang mit Vornamen: Heinrich. Später folgten dann Johann Friedrich und 1791 Hans Heinrich Wilkening.

Nach dem frühen Tode des Letzteren kam 1796 Friedrich Christoph Stahlhut als Interimskolon auf die Hofstätte Nr. 52.

Dessen Sohn Johann Christian, der auf der Stätte Nr. 52 nicht erbberechtigt war, wurde Faßbinder und heiratete in die Hofstätte Nr. 42. Und dessen Sohn wiederum wurde dann 1877 der Käufer der Stätte Nr. 52.

Zunächst konnte der Anerbe Johann Heinrich Wilkening wieder den Hof übernehmen. Als 1817 das alte Wohnhaus durch ein neues ersetzt werden mußte, plante er, wie später auch andere jüngere Reformlandwirte, dieses Haus nahe seinen Ländereien, in der Nähe der Stätte Nr. 54 zu erbauen. Das Amt Hagenburg und die Hofkammer, wo man noch kein Verständnis für solche Pläne zeigte, lehnte den Antrag der Begründung ab. Die Entfernung zum Dorfe Wölpinghausen wäre zu groß. So mußte das neue Haus Nr. 52 dann 1817 an der alten Stelle erbaut werden.

Im Jahre 1845 trat der letzte der Wilkenings - Johann Heinrich - das Erbe auf dem Hof Nr. 52 an. Sein Bruder wanderte nach Amerika aus.

Im Jahre 1877 starb der genannte Wilkening. Die Ehe war ohne Erben geblieben. Der Witwe bot sich Gelegenheit in den Hof Nr. 11 (Grote) einzuheiraten. Darum bot sie die Hofstätte Nr. 52 zum Kauf an.

Der Faßbinder und Böttcher Stahlhut, von dem oben schon die Rede war, besaß auf dem Hofplatz Nr. 42 keinen rechten Lagerplatz für seine Holzvorräte. Da er solchen Platz aber auf der Hofstätte Nr. 52 vorfand, erwarb er diese 1877 und verkaufte die Stätte Nr. 42.

Doch für die Ölmühle auf dem Hofplatz Nr. 52 hatte er kein Interesse. So kam die Regelung zustande, daß die Ölmühle abgebaut werden sollte, damit Stahlhut Platz für den Bau seiner Böttcherwerkstatt erhielt.

Da aber das Dorf damals nicht ohne Ölmühle auskam, wurde sie dann auf dem Hof Nr. 13, den der Bruder der Witwe Wilkening besaß, wieder errichtet. Die Familie Abelmann hat dann die Ölmühle noch bis nach der Jahrhundertwende betrieben.

Seit 1877 wurde also auf dem Hofplatz Nr. 52 eine Böttcherei aufgebaut, die von Vater Heinrich auf den Sohn Heinrich Stahlhut überging. Etwa 1902 aber wurde das Gewerbe abgemeldet, nachdem die neue Zeit immer weniger Böttcherware verlangte. Dieser alte Beruf aber hat der Familie Stahlhut den Beinamen „Böker“ (Böttcher) eingebracht.

Zweimal, einmal vor, einmal nach 1900 brannte das Gehöft nieder. Das letzte Unglück war die Veranlassung, daß das Gewerbe einging. Mit den erwähnten Bränden hängt weiter zusammen, daß das Viehhaus seit 1889 und das Wohnhaus seit 1902 massiv erbaut wurden.


Quelle: Dorfbuch Wölpinghausen von Gerh. Lemke


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