Geschichte der Hofstätte Nr. 5




Dieser Meierhof Nr. 5 wurde etwa um die gleiche Zeit angelegt, wie die anderen Meierhöfe Nr. 4, Nr. 6, Nr. 7 und Nr. 8, vermutlich um 1100. Wahrscheinlich hat er immer am selben Platz gelegen. Der ist dort zu suchen, wo heute der Hofplatz Nr. 90 besteht. Infolge seiner schrägen Lage zur heutigen Straße, gehörte damals auch ein Teil des heutigen Hofplatzes Nr. 57 dazu.

Nur bis zum Jahre 1639 lassen sich die Besitzer zurückverfolgen. In dem genannten Jahr - also mitten im Dreißigjährigen Kriege - nennt das Register Barthold Meyer als Meier auf dem Hof Nr. 5. Außerdem wird über den Hof berichtet:

Es ist eine ledige Stätte, wo der Acker trägt Blumen. Von vorgesetzten Ländereien bekumpt Ohro fürstl. Gnad. Zehnt und Zins. Das Rottland tregt Blumen.

Der Hof war also in den Kriegsereignissen vor dem Jahre 1639 zerstört worden. Da aber Zehnt und Zins gezahlt wurde, müssen wir annehmen, daß die Familie Meyer noch am Leben war und vermutlich auswärts bei Verwandten lebte.

Gegen Ende des Krieges (1647) aber nennt das Lagerbuch der Kirche die Familie Meyer nicht mehr auf Hof Nr. 5. Dagegen wird Cordt Meyer auf dem auch im Kriege zerstörten Junkerhof Nr. 21 genannt, so daß wir vermuten müssen, daß der Sohn Cordt den Junkerhof übernommen hatte.

Stattdessen wird 1647 auf dem Meierhof Nr. 5 Stephan Hartmann genannt. Vermutlich war die Familie Hartmann gegen Ende des Krieges zugewandert. Wahrscheinlich war das der Grund, daß bei der Neuvermessung der wieder urbar gemachte Äcker 1685 nur 39 ¾ Morgen zur Hofstätte Nr. 5 gehörten, im Gegensatz zu den übrigen 7 Meierhöfen mit ca. 60 Morgen.

Zu jener Zeit lebte auch auf Hofstätte Nr. 31 eine Familie Hartmann (vielleicht ein Bruder). Um die beiden Familien Hartmann besser zu unterscheiden, nannte man (auch im Kirchenbuch) die Familie auf Nr. 5 mit dem Beinamen „Steffen“ (von Stephan). Der Hof Nr. 5 vererbte sich in den nächsten Generationen in der männlichen Linie: Auf Stephan folgte Jobst und dann Hans Heinrich. Ab 1781 Johan Philipp.

Der letztere aber hatte nur eine Tochter Sophie Marie als Anerbin. Sie heiratete 1801 Friedrich Wilhlem Bock aus Nr. 21. Zwanzig Jahre später zwangen ihn die wirtschaftlichen Verhältnisse nach den napoleonischen Kriegen dazu, die Rentkammer zu bitten, seinen Hof in die Äußerung zu setzen, denn es bestanden Schulden in Höhe von 730 Rthl.. Der Hof wurde auf 6 Jahre bis 1827 in die Äußerung gesetzt. Da Bock aber als „guter Hauswirt“ anerkannt wurde, durfte er bei seiner zahlreichen Familie 16 Morgen für den eignen Bedarf behalten und auch 2 Pferde halten zum Bewirtschaften derselben.

Im Jahre 1835 übernahm der Sohn Johan Heinrich Wilhlem den Hof. Auch er begann wieder mit 750 Rthl. Schulden, so daß er ebenfalls die Verpachtung der 10 - 12 Morgen abgelegener Ackerstücke im Sachsenhäger Felde im Jahre 1839 beantragen mußte und auch genehmigt bekam.

Durch seinen frühen Tod (1842) nahm das unglückliche Geschick des Hofes seinen Anfang. Zunächst suchte die Witwe, die nicht mehr heiraten wollte, die Wirtschaft durch weitere Verpachtungen zu verkleinern, um den Hof für die einzige Tochter zu erhalten. Doch ein paar Jahre später starb auch die Witwe. Da mußte der Onkel, Schullehrer Schöttelndreyer als Vormund der Anerbin für die weitere Verpachtung sorgen. Allerdings heiratete Friederike Bock 1858 den Erbzins-Müller Ehlerding in Loccum und zog auf dessen Mühle.

Daraufhin wurde die gesamte Hofstätte Nr. 5 an den Colon Müller Wölpinghausen Nr. 71 verpachtet. Schließlich wurde Meierhof Nr. 5 ca. 1885 an einen Auswärtigen namens Bensheim verkauft.

Doch die lange Zeit der Verpachtung war zum Schaden der Ländereien und der Gebäude gewesen. Colon Bensheim suchte den Hof zunächst durch Verkauf von Ländereien zu retten: 1878 waren es noch 11,53 ha gewesen. Bei der verminderten Ackerfläche glaubte der, die Ernte nun in dem alten langgestreckten Bauernhause unterbringen zu können. Darum verkaufte er auch bald die Scheune, die rechts an der Hofeinfahrt stand an Wilhelm Dreyer.

Wilhelm Dreyer baute die Scheune zum Wohnhaus um, das dann die Nummer 90 erhielt. Das Gebäude besteht heute noch nach ca. 75 Jahren.

Einige Jahre später aber mußte Colon Bensheim schließlich den Resthof verkaufen. Den erwarb in den neunziger Jahren Heinrich Geweke, ein Sohn des Besitzers aus Hofstätte Nr. 37. Er wurde von Amtswegen als Neubauer angesehen, durfte aber die bisherige Stättennummer 5 weiterführen. Noch über 10 Jahre bis 1908 lebte die Familie Geweke in dem alten Bauernhause, daß aber viel Unterhaltungskosten verschlang. Als sich Gelegenheit bot, die kleine Hofstätte Nr. 51 zu erwerben, übernahm H. Geweke dieselbe.

Der Meierhof Nr. 5 wurde aufgelöst. Die Ländereien wurden verkauft. Das alte Bauernhaus erwarb Grote Nr. 27 auf Abbruch, um das Balkenwerk für ein Stallgebäude zu erhalten.

Das Bauernhaus war das letzte Haus, das aus alter Zeit stammte und vermutlich ca. 250 Jahre alt war. Die ältesten Dorfbewohner beschreiben es so:

Das Strohdach reichte zu beiden Seiten weit herab, so daß man stehend das Dach berühren konnte. Entsprechend waren die Seitenwände des Hauses sehr niedrig und damit waren auch die Fenster sehr klein. Der einstigen Hofgröße entsprechend betrat man das Haus über eine langgestreckte Diele. Dadurch war es möglich, rechts und links lange Krippen einzubauen, denn das Vieh wurde von der Diele her gefüttert. Im Fleet bestand noch eine offene Herdstelle, über der die Kessel und Pfannen hingen. Auch die geschwärzten Balken darüber zeugten davon, daß dort einst die Speckseiten und Schinken geräuchtert wurden.

So reparaturbedürftig das Haus 1908 auch aussah, das alte Balkenwerk aus kernigem Eichenholz war noch recht fest gefügt. Bei den Abbrucharbeiten mußten oft die Säge und der schwere Eisenhammer eingesetzt werden, um das feste Gefüge zu lockern.

Mit dem Verkauf der einzelnen Ländereien und dem Abbruch des Hauses im Jahre 1908 erlosch die Hofstätte Nr. 5.

Quelle: Dorfbuch Wölpinghausen / Geschichte der Höfe von Gerh. Lemke

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