Geschichte der Hofstätte Nr. 46


Die Hofstätte Nr. 46 wurde in den ersten Jahrzehnten nach Beendigung des Dreißigjährigen Krieges angelegt. Während fast alle Neugründunden der Stätten Nr. 40 - 48, die nach dem Kriege stattfanden, wurde die Stätte Nr. 46 im alten Dorfe nahe dem Meierhofe Nr. 1 angelegt - also auch nicht an ihrem heutigen Platze. Der Hauptgrund dafür ist vermutlich darin zu suchen, daß der Gründer Hans Wilkening kein Eingewanderter - wie die meisten Neusiedler - war, sondern aus einer ortsansässigen Familie - aus Nr. 35 - stammte.

Ferner ist bei der Gründung der Hofstätte Nr. 46 noch bemerkenswert, daß hier zwei Familien zusammen zu Anfang als Unterkunft gemeinsam einen Stall benutzten, der hier erhalten geblieben war. Zwar ist in diesem Fall eine Verwandtschaft an den Familiennamen erkennbar, doch wäre zwischen Wilkening und Köhling (Kölling?) eine Schwagerschaft denkbar.

Als Neubau errichtete jede Familie dann ihr eigenes Haus. So entstanden nebeneinander zwei Hofplätze: Nr. 46 und Nr. 51, bis 1890 aus der Stätte Nr. 46 die Stätte Nr. 91 geworden ist.

Im Jahre 1670 übernahm Hans Wilkening die Hofstätte Nr. 46 von seinem Vater (auch Hans Wilkening), dem Gründer derselben.

Nach 1700 folgte Heinrich Wilkening, der in den Abgabelisten des Amtes Hagenburg in den Jahren 1729/31 genannt wird.

Ca. 1735 wurde Johann Harm Röhrkasse der Besitzer auf der Stätte Nr. 46, vermutlich durch Einheirat.

Wahrscheinlich um 1760 heiratete Hans Heinrich Stahlhut „in Röhrkassen Stätte“. Dieser Zusatz „Röhrkasse“ hat sich seit jener Zeit für die Hofstätte erhalten. Er entstand als Unterscheidung der zahlreichen Stahlhuts.

Im Jahre 1791 trat der Sohn Cord Hermann Stahlhut, den das Kirchenbuch einen Musquetier nennt, das Hoferbe an.

Nach ihm übernahm 1823 Hans Heinrich Stahlhut den Besitz. Er arbeitete wie schon sein Vater als Leinweber. Doch das Kirchenbuch berichtet 1828 beim Tode seiner jungen Frau von ihm, „er habe sie Säufer, Dieb und Tagedieb elend gemacht“. Stahlhut war tatsächlich dem Branntweintrunk ergeben und liebte den Müßiggang. Seine beiden Kinder hätten hungern müssen, wenn sich ihre Großeltern Dünnemann in Bergkirchen nicht über sie erbarmt hätten.

Um seinem Laster zu frönen, verkaufte Stahlhut alles, was beweglich war: Kleidung seiner verstorbenen Frau, Hausrat, Speck und Würste, sogar Dielen vom Balken. Auf Betreiben der Vormünder sollte die Stätte Nr. 46 meistbietend verkauft werden.

Nach „Abkündigung von der Kanzel und Inserierung in dem hiesigen Hannoverschen, sowie auch im Hessischen Anzeiger zu Rinteln“, fand die Versteigerung am 26. Juni 1828 statt, bei der der Einlieger Heinrich Brandes das Höchstgebot mit 364 Rthl. abgab. Hans Heinrich Stahlhut wanderte nach Amerika aus.

So kaufte also im Jahre 1828 Hans Heinrich Brandes die Hofstätte Nr. 46. Er stammte aus dem Hof Nr. 28. Dort war er der jüngste Sohn der Familie und hatte 1827 Marie Kastning aus dem Hof Nr. 29 geheiratet.

Im Jahre 1855 trat dessen Sohn Heinrich Wilhelm Brandes das Erbe an. Auch er war Leinweber wie sein Vater. Er hatte eine geborene Heine (Nr. 62) zur Frau.

Dessen Sohn Heinrich Brandes übernahm ca. 1880 die Hofstätte Nr. 46. Da die Weberei aber immer weniger Ertrag abwarf, strebte er danach, mehr Landwirtschaft zu treiben. Dadurch war er in die Lage versetzt, ein Gespann Pferde zu unterhalten und damit konnte er weitere Einnahmen erzielen.

So übernahm er um die Jahrhundertwende den Transport der Milch aus dem Dorfe zur Molkerie in Loccum. Außerdem belieferte er die Einwohner von Wölpinghausen und Münchehagen mit Steinkohlen, die er vom Georg-Schacht bei Nienstädt heranschaffte.

Für diese Arbeiten war der alte Hofplatz Nr. 46 sehr enge. Die Mitgift seiner Ehefrau (gebohrene Brandes aus Windhorn Nr. 2) versetzte ihn in die Lage, an der Spießingsholer Chaussee einen neuen Hofplatz anzulegen und 1888 das heutige massive Bauernhaus zu errichten. Den alten Hofplatz Nr. 46 erwarb H. Schröder, der als Neubauer 1890 darauf die neue Hofnummer 91 erhielt.



Quelle: Dorfbuch Wölpinghausen von Gerh. Lemke


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