Geschichte der Hofstätte Nr. 41


Die Hofstätte ist etwa 1650 entstanden. Seit ihrer Gründung lag sie ca. 200 Jahre lang an jenem Platze, den heute die Hofstätte Nr. 77 einnimmt.

Der Gründer hieß Volmer Stübing, den das Kirchenbuch 1651 anläßlich einer Taufe zum ersten Mal nennt. Es ist auffällig, daß der Pastor bei dieser und allen folgenden Taufen bis zum Jahre 1661 immer nur „Volmer N.“ eintrug, also ohne den ihm wohl nicht bekannten Familiennamen. Erst beim Begräbnis des Volmer Stübingk 1679 - er war erst 55 Jahre alt - wurde der vollständige Name ins Kirchenbuch eingetragen.

Vermutlich ist das dadurch zu erklären, daß alle Dorfbewohner ihn nur mit dem Vornamen anredeten und darunter kannten. Diese Art der Bennenung „Volmer“ für den Hofbesitzer der Stätte Nr. 41 hat sich bis in jüngste Zeit erhalten.

Höchstwahrscheinlich war Volmer Stübingk ein Bruder von Hanß Stübing, der nach dem Dreißigjährigen Kriege die Hofstätte Nr. 27 wieder aufbaute. Mit größter Wahrscheinlichkeit dürfen wir annehmen, daß die Stübings ca. 1650 von auswärts nach Wölpinghausen zugewandert sind, wie eine ganze Reihe anderer Neusiedler damals.

Die Hofstätte Nr. 41 vererbte sich fast 300 Jahre lang immer an männliche Anerben. Nur 1758 kam Johann Hinrich Widdel aus Düdinghausen als Interimskolon auf den Hof, bis der folgende Anerbe den Hof übernehmen konnte. Um 1820 betrieben auch die Stübings Leinenweberei.

Etwa 1858 wurde der Hofplatz Nr. 41 aus dem Dorfe in den „Knick“ verlegt. Die meisten Ländereien des Hofes Nr. 41 lagen dort nahe bei der Hofstätte Nr. 54. Dadurch war die Bewirtschaftung recht schwierig. Alle Erntefuhren mußten erst durch einen oft grundlosen Feldweg bis ans Dorf herangebracht werden und dann führte die Dorfstraße steil bergan und schließlich war die Auffahrt zum Grundstück auch noch steil.

Darum war es ein kluger Entschluß, ein neues Gehöft inmitten der Ländereien anzulegen; natürlich mit der Hof Nr. 41. Den alten Hofplatz erwarb damals der Musiker Mestwarb, der darauf als Neusiedler die neue Nummer 77 erhielt.

Ferner ist von der Familie Stübing zu berichten, daß um 1880 die verwitwete Bauersfrau mit 5 Kindern nach Amerika ausgewandert ist und das nur der Anerbe - der letzte der Stübings überhaupt - auf dem Hofe blieb. Beim Abschied - so wird weiter erzählt - führte die Mutter ihre Kinder auf die Höhe, um ihnen noch einmal die schöne deutsche Heimat zu zeigen.

Der zurückbleibende Hofbesitzer Stübing hatte zwar einen männlichen Erben, der aber im Alter von etwa 21 Jahren tödlich verunglückte. Auf dem Wege zur Waldarbeit stürzte er im Steinbruch.

Damit starb die lange Reihe der Stübings (von 1650 bis 1920) aus. Das alte Fachwerkhaus Nr. 41 „im Knick“ wurde nach dem Tode des alten Stübings vermietet.


Quelle: Dorfbuch Wölpinghauen von Gerh. Lemke


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