Geschichte der Hofstätte Nr. 26


Die Hofstätte Nr. 26 wurde um 1560 gegründet. Ihre gegenwärtige Lage abseits vom alten Dorfe gibt Anlaß zu der Vermutung, daß sie wie Hofstätte Nr. 25 erst nach dem Dreißigjährigen Kriege an ihrem jetzigen Platz aufgebaut wurde. Vermutlich lag sie ursprünglich auch - wie Hofstätte Nr. 25 - unterhalb von Hof Nr. 35.

Über den Besitzer vor und zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges lassen sich nur Vermutungen anstellen. Nach Vergleichen in der Beschreibung anno 1639 könnte Cord Bruns auf dem Hof Nr. 26 gewesen sein. Über ihn wird darin berichtet: „Das Haus ist abgebrannt, die Leute verstorben, das Land trägt Unkraut.“

Nach dem Kriege mußte also der Hof neu aufgebaut werden und das geschah an seinem jetzigen Platze. Diese Aufgabe übernahm ein Zugewanderter namens Kohl(e)mann. Wie die Sölters auf Hof Nr. 25 mied er dan alten Hofplatz und erbaute Nr. 26 „an der rothen Beeke“. Das ist der kleine Bach, der vom Westerfelde westlich der Spießingsholer Chaussee bis zum Hofplatz Nr. 26 fließt.

Der Wiederaufbau hatte anscheinen verspätet begonnen, denn nach dem Meßregister anno 1685 waren bis dahin erst 9 ½ Morgen Acker urbar gemacht. Da der Landbesitz auch fernerhin verhältnismäßig gering blieb, wurde auf Hof Nr. 26 im 18. und 19. Jahrhundert Leinwandweberei betrieben.

Wenn der Pastor im Kirchenbuch den Familiennamen nicht Kohlemann sondern Kaulmann schrieb, so hing das mit der plattdeutschen Sprache zusammen. Die Generationsreihe der Kohlemanns wurde 1720 durch den Interimswirt Jobst Hinrich Oettker unterbrochen.

Ein besonderes Ereignis, das mit der abseitigen Lage des Hofes zusammenhing, berichtet das Kirchenbuch aus dem Jahre 1751: „eine fremde Weibsperson, Tage und Nächte in den Kämpen bei Wölpinghausen, vermutlich nicht recht bey Verstand, in der Scheune von Johann Heinrich Kaulmann in der rothen Beeke gestorben“.

Durch Einheirat kam 1775 Johann Hinrich Brandes auf den Hof Nr. 26. Auch ihn nennt das Kirchenbuch Leinweber. Durch drei Generationen wirtschafteten und webten die Brandes auf dem Hof. Aber im Jahre 1855 war Colon Brandes nicht mehr in der Lage, seinen Hof zu bewirtschaften und seine Familie zu ernähren, weil er leidend (offene Beine) war.

Aus zwei Ehen waren ihm ein Sohn und eine Tochter geblieben. Der Sohn aber lehnte es ab, den kleinen Hof zu übernehmen und arbeitete lieber als Knecht auswärts und seine Tochter war blödsinnig.

Das Wohngebäude, das 1835 begonnen worden war, war immer noch nicht vollendet, da fand sich ein Käufer für die Hofstätte. Das war der Leineweber Heinrich Mensching aus Lauenhagen.

Er hatte die Stieftochter von Colon Brandes geheiratet und zwar die Tochter seiner zweiten Frau aus deren erster Ehe (Dühlmeier). In diesem Fall konnte das Anerbenrecht nicht angewandt werden. Darum mußte die Hofübergabe in der Form eines Kaufes stattfinden.

H. Mensching übernahm das alte Ehepaar Brandes und seine schwachsinnige Tochter auf die Leibzucht. Nach anfänglichen Schwierigkeiten wurde Mensching der Meierbrief endlich am 12. April 1866 ausgehändigt.

Die junge Ehe des Mensching wurde leider bald durch ein tragisches Unglück belastet, das durch die anormale Sophie Brandes verursacht wurde. Im Sterberegister des Kirchenbuches von 1860 wird folgendes berichtet:

  1. Ernst Wilhelm Heinrich Mensching (1 Jahr alt), Vater: Heinrich Christoph Gottlieb Mensching, Colon und Leinweber Nr. 26; Mutter: geborene Dühlmeier

  2. Sophie Wilhelmine Dorothea Justine Brandes (24 Jahre), Vater: Heinrich Wilhelm Brandes, Colon und Leinweber Nr. 26; Mutter: geborene Bartling

    - Beide wurden tot in einem 6 Fuß langem, 5 Fuß breitem und 2 Fuß hohem Wasser enthaltenden Teiche (Kämpe) gefunden. Vermutlich hat das blödsinnige Mädchen, die Justine Brandes, Wurzeln reinigen wollen, welche noch neben dem Teiche lagen und ist mit dem Kinde das pp Mensching auf dem Arm oder Schoße ins Wasser gefallen. Das Mädchen ist von Jugend auf fast irre.

Als gegen Ende des vorigen Jahrhunderts die Leinweberei einging, betrieb die Familie Mensching längere Zeit Kohlenhandel, indem sie die Hausbrandkohle vom Georg-Schacht heranholte und anlieferte. Seitdem hatte sich - zur Unterscheidung der verschiedenen Familien Mensching - der Beiname „Kohlen-Mensching“ für Nr. 26 im Dorfe eingebürgert.

Die Gebäudefront des Hofes steht auffällig in einem spitzen Winkel zur Chaussee. Diese Front des alten Fachwerkhauses, das schon 1835, zu jener Zeit, also noch keine Chaussee bestand, erbaut wurde, lief ursprünglich parallel zu dem alten Wege neben dem Bache, der „rothen Beeke“.


Quelle: Dorfbuch Wölpinghausen von Gerh. Lemke

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