Geschichte der Hofstätte Nr. 22
ehemals Kleinkötherhof
Auf dem Berge
Besitzstand 1685: 2,94 ha
1878: 5,74 ha
Die Hofstätte Nr. 22 ist um 1550 gegründet worden. Höchstwahrscheinlich liegt sie heute noch an ihrem ehemaligen Platze. Über den Gründer und die ersten Besitzer geben die alten Schatz-Register keine klare Auskunft.
Nach der Beschreibung vom Jahre 1639 läßt sich vermuten, daß in jenem Jahre Johann Sölter auf der Hofstätte Nr. 22 saß. In der Urkunde wird festgestellt, daß der noch das Haus, 1 Pferd und 1 Kuh hatte. 1 Morgen war mit Roggen, ½ Morgen mit Gerste angebaut.
Mit ziemlicher Sicherheit darf auch angenommen werden, daß er die Wölpinghäuser Mühle bewirtschaftete. Aus deren Geschichte ist bekannt, daß die Mühle 1734 schon 100 Jahre in der Hand der Familie Sölter war, also schon seit 1634.
Im Jahre 1639 aber war Johann Sölter der einzige Träger dieses Namens in Wölpinghausen. Nach Dreißigjährigem Kriege im Jahre 1685 wird sein Sohn Hans Jürgen Sölter auf Hof Nr. 22 genannt. Dessen Bruder Johann Sölter, der Müller, gründete um jene Zeit die Hofstätte Nr. 42.
Zu Hof Nr. 42 gehörten damals 9 ¾ Morgen Acker. Darum wurde er nur Brinksitzer genannt, während der Hof Nr. 22 bei der Dorfübersicht von 1729 zu den Kleinköthern (Nr. 20 - Nr. 25) gerechnet wurde.
Nach dieser Übersicht war damals Harm Hinrich Türnau (vermutlich durch Einheirat) auf Hof Nr. 22 gekommen. Vermutlich wieder durch Einheirat kommt der Familienname Walbaum auf diese Hofstätte: Jobst Hinrich Walbaum, dann Johann Hinrich Walbaum.
Aus dieser Zeit ist hervorzuheben, daß damals an der Straße vor dieser Hofstätte der Zoll (gegenüber dem freyen Kruge) erhoben wurde. Im Jahre 1741 lautet z. B. die Eintragung im Kirchenbuch: Walbaum beim Zollbrett.
Doch von 1751 - 1776 hatte der Krüger die Zolleinnahme gepachtet. Der Zolleinnehmer Walbaum war vermutlich ein Bruder des Hofbesitzers und war daneben Rademacher.
Johann Hinrich Walbaum, der mit Engel Elisabeth Brandes (aus Nr. 2) verheiratet war, erbaute 1777 ein neues Wohnhaus. Der Torbalken mit der Namensinschrift und der Jahreszahl 1777 kam 1962 beim Umbau des Hauses zum Vorschein.
Im Jahre 1790 wurde der Sohn Johann Hinrich Walbaum die Kleinkötherstätte Nr. 22 zugeschrieben. Auch er hatte seine Frau aus dem Meierhofe Nr. 2 (also seine Cousine). Der Ehemann starb schon nach wenigen Jahren. Als Interimswirt heiratete die Witwe den Musquetier Friedrich Wilhlem Brösche, bis der einzige Sohn Johann Hinrich Walbaum 1816 die Tochter des Schustermeisters Sölter Nr. 54 heiratete und die Hofstätte übernahm.
In den Kriegsjahren mußte ein Onkel des jungen Walbaum zahlreiche Kriegsfuhren für den Hof Nr. 22 gezwungenermaßen ausführen. Das Kirchenbuch berichtet: von den vielen Erkältungen bei den Kriegsfuhren starb er schon 1814. Der Großvater Johann Hinrich Walbaum auf der Leibzucht aber überlebte noch alle diese Familiennöte; er starb erst 1818 im Alter von 74 Jahren.
Durch die schweren Kriegsjahre bedingt und durch die schlechte Wirtschaftsweise des Interimswirtes Brösche ausgelöst, war die Hofstätte stark verschuldet. Zudem war die junge Frau krank (schwindsüchtig).
Der junge Walbaum war schließlich gezwungen beim Amte die Eloration zu beantragen. Als am 25. Juni 1823 alle Gläubiger ihre Forderungen benannten, ergab sich eine Gesamtschuld von 1071 Rthl. und 34 G.. Darum wurde die Hofstätte in die Äußerung gesetzt. Von den 8,18 ha wurden 6 ha an die Gläubiger verteilt und das meiste Wirtschaftsinventar meistbietend verkauft. Sogar die Scheune wurde noch 1830 nachträglich verkauft.
Die Äußerung des Hofes wurde nach 12 Jahren (1835) noch bis 1841 verlängert. So lebte die Familie in kümmerlichen Verhältnissen. Alle Kinder des Heinrich Walbaum starben.
Um den Hof 1841 übernehmen und wieder bewirtschaften zu können, mußte er erst mehrere Ackerstücke verkaufen, um zu Geld zu kommen. Von da ab besaß der Hof nur noch 5,74 ha.
Ein Teil des Hauses war schon vor 1837 vermietet an den Einlieger Türnau, der aus Schmalenbruch stammte und Rademacher war. Seine Werkstatt hatte er auf dem Hof von Nr. 22 errichtet. Dieser Rademacher Türnau gründete bald die neue Colonie Nr. 69. Sein erster Plan, auf einem Platz von Nr. 33, neben Nr. 42 seinen Hofplatz zu errichten, schlug fehl. Dann erwarb er auf dem Berge (nahe dem späteren Matteschlößchen) einen Hofplatz. Eine Generation später wurde dieser ins Schweinebruch verlegt.
Da Walbaum Nr. 22 alle Kinder verloren hatte, hätte u. U. Das Heimfallrecht einsetzen müssen. Nur die Tatsache, daß Walbaum noch zwei lebende Schwestern besaß, verhinderte das. Als Anerbin wurde dann 1849 die Nichte Caroline Sölter aus Nr. 54 eingesetzt. Sie heiratete Konrad Paul aus Schmalenbruch, so daß sich Walbaum auf die Leibzucht zurückziehen konnte.
Der junge Ehemann brachte etwas Kapital mit und wirtschaftete besser. So kam der Hof wieder in die Höhe. Nach den Schulakten war Paul in der Lage, der Schulgemeinde 110 Thl. zu leihen, als er schon auf der Leibzucht lebte. Von seinem Ansehen zeugt, daß er längere Zeit Schulgelderheber in Wölpinghausen war.
Seine Tochter als Anerbin heiratete einen Türnau. Auch in der folgenden Generation wechselte der Familienname. Durch Einheirat kam Heinrich Borchers aus Bergkirchen auf die Hofstätte Nr. 22. Von den 5,74 ha, die noch 1878 zum Hofe gehörten, verkaufte er mehrmals Ländereien. Darunter waren auch 0,25 ha Acker, die 1906 die Schulgemeinde als Grundstück für die Neue Schule zum Preise von 1500 M erwarb.
Quelle: Dorfbuch Wölpinghauen von Gerh. Lemke