Wie Wölpinghausen gegründet sein könnte
Die Forschung vermutet in der Personalbezeichnung den Namen des Gründers oder das Haupt der siedelnden Sippe. Damals trugen die Menschen nur einen Rufnamen; Familiennamen waren noch nicht üblich.
Bei
dem Ort Wölpinghausen könnte man also annehmen, daß
der erste Siedler Welp = junger Wolf geheißen habe.
Vielleicht ist dabei die Vermutung nicht allzu abwegig, daß der
Junge Wolf aus Wulfesdorf (Wolfsdorf) stammte.
Vor etwa tausend Jahren lebte in dem - im vorigen Abschnitt beschriebenen, und den heutigen nicht mehr bekannten - Wulfesborn, ein umsichtiger Mann, namens Welp. Er entstammte einer großen Sippe, die auf den Gehöften ihrer Vorfahren eng beieinander lebte. Da der Ort schon auf drei Gehöfte angewachsen war - und mehr hatten nach damaliger Ansicht nicht Raum auf dem einen Fleckchen Erde -, trug er sich mit dem Gedanken, in der näheren Umgebung einen Hof zu gründen.
Bei
seinen Streifzügen durch den großen Wald hatte er
schließlich einen geeigneten Platz für eine neue Siedlung
gefunden. Ein leicht nach Süden geneigter Hang bot die
Gelegenheit zur Anlage der Ackerbeete. Der Boden war nicht zu bindig
und würde sich gut urbar machen lassen. Auf der Kuppe über
dem Hang konnte das Gehöft angelegt werden. An seiner Nordseite
lag ein Weiher mit klarem Wasser. Eine Quelle füllte ihn
immerfort, so daß nach Osten hin, dem Gewässer ein
munteres Bächlein entsprang. Dort konnte das Vieh Trank und
Futter finden. Der Platz lag dabei in günstiger Entfernung von
Wulfesborn (ca. 1 km Luftlinie), so daß die väterliche
Sippe den Neusiedler bequem bei den Rode- und anderen Aufbauarbeiten
unterstützen konnte.
Nach
längerem Familienrat wurde der Entschluß gut geheißen
und Vorbereitungen für den Neubau getroffen. Beim Roden der
Waldbäume wurden die wertvollen geraden Stämme gesondert
gelagert. Sie sollten zur Errichtung des Fachwerkhauses und eines
Palisadenzaunes rings um das entstehende Gehöft benutzt werden.
Den Lehm für die Fachwerkwände hatte man ca. 100 m ostwärts
im Hügel entdeckt.
Zunächst schlug man eine Lichtung in den Wald, die für das Gehöft sowie für das erste Ackerstück genug Raum bot. Nach monatelanger Arbeit war es soweit, daß der Neusiedler mit seiner Familie, seinen Knechten und dem Vieh von Wulfesborn nach dem neuen Hof umsiedeln konnte.
Da
der Gründer Welp hieß, nannten seine Verwandten und
Bekannten das neue Gehöft: Welp sin Hus, was in der Form der
alten Sprache: Welpingehusen lautete. Damit war der Anfang zur
Entwicklung des Ortes geschaffen, der nun Wulfesborn in seinem
Bestehen überdauert hat.
Der
Platz, den der Siedler Welp damals gewählt hatte, lag
höchstwahrscheinlich dort, wo 1963 der Hof Nr. 12 steht. Alte
Einwohner von Wölpinghausen wissen, daß der dortige Hof
ursprünglich die Nr. 1 getragen hat. Aus dem Waldweiher ist
durch Verlandung und Aufschüttung die feuchte Wiese zwischen den
Höfen Nr. 12 und Nr. 4 geworden. Noch immer braucht das Wasser
der einstigen Quelle einen Abfluß, den es unter der Dorfstraße
bei Hof Nr. 3 findet. Die unterirdische Wasserader, die die Quelle
speist, wurde beim Brunnenbau auf Hof Nr. 12 (bzw. Nr. 1)
angeschnitten, so daß der Hof nie an Wassermangel - selbst in
trockenen Jahren - gelitten hat. Die Lehmfundstelle des ersten
Siedlers erwies sich so ergiebig, daß alle Siedler und späteren
Generationen sie etwa 1000 Jahre lang - solange Lehmfachwerkbau
üblich war - ausbeuten konnten. Dadurch entstand an jener Stelle
eine geräumige Grube, die seit alter Zeit die Niedern
Kuhlen genannt wird.
Neben
dem ersten Hof, den Welp aus Wulfenborn gegründet hatte und
ausbaute, siedelte sich im Laufe der Zeit ein zweiter Auswanderer aus
einem Nachbarorte an. Beide Siedler rodeten gemeinsam und erweiterten
die Lichtung, um die Ackerfläche zu vergrößern,
während das Vieh im angrenzenden Walde weidete. Zu jener Zeit
wurden in Wölpinghausen die Ackerstücke Achtern
Höben ( Hinter den Höfen) und Am Rohn(en)
urbar gemacht. Der erste Name bedarf keiner Erläuterung und
bildet eine Grundlage für diese Erzählung. Der letztere
deutet darauf hin, daß die Siedler dort einen großen
umgestürzten Baum oder gar einen Windbruch (also eine ganze
Anzahl gestürzter Bäume) vorfanden. Diese beiden
Ackerstücke dürfen wir als Kern - den Esch
sagen die Forscher - der später immer mehr erweiterten
Gewannflur des Ortes ansehen.
Nach der örtlichen Lage ist nicht mit Sicherheit zu entscheiden, ob schon bald noch ein drittes Gehöft neben den beiden ersten errichtet wurde. Es wäre gut möglich, daß der Hof Nr. 3 in der Gründungszeit auf dem Rücken neben Hof Nr. 2 gelegen hätte. In der Abhandlung von Engel werden um's Jahr 1000 drei Höfe angenommen.
Wie schon eingangs beschrieben, waren 3 Höfe in einem Ort die allgemein verbreitete Form, die während einiger Jahrhunderte als Norm galt. Nach Erreichung dieser Zahl wurde keine weitere Vermehrung der Hofstellen vorgenommen, sondern zur Gründung einer neuen Siedlung geschritten.
So könnte man sich also nach den örtlichen Gegebenheiten die Gründung von Wölpinghausen vorstellen; Urkunden berichten nicht darüber.
Während das alte Welpingehusen anfangs nur aus drei Gehöften bestand, wuchs es nun doch um 1100 auf 8 Meierhöfe an. Ein neunter Hof, der im Dreißigjährigen Krieg zerstört und nicht wieder aufgebaut wurde und in dem wir den Sitz des Domvogtes vermuten können, lag wahrscheinlich in der Nähe des Herrenlandes am westlichen Ende der Höfereihe 3-2-1, dort, wo jetzt die Höfe Nr. 91 (ehemals Nr. 46) und Nr. 51 liegen.
Ob kriegerische Verwicklungen diese allmählichen Erweiterungen im Ort zeitweise störten oder verhinderten, läßt sich nicht erkennen. So konnte sich Wölpinghausen einige Jahrhunderte lang unbeeinflußt von anderen Kräften unter der Schirmherrschaft des einflußreichen Domkapitels allmählich entwickeln.
Ein
mittelalterlicher Künstler hat den Aufbau eines Dorfes gemalt.
Links im Bild nimmt der Dorschulze den Freibrief in Empfang. Von der
Urkunde hängt ein großes Siegel herab - ein dreieckiges
kein rundes. In der Mitte roden zwei Bauern den Wald und rechts im
Bild baut ein dritter Bauer bereits ein Haus auf.