Das Hagendorf Probsthagen
Probsthagen verdankt seine Entstehung dem zu Anfang des 13. Jahrhunderts begonnenen Kolonisationswerke im Dülwalde, jenem großen Waldgebiet zwischen Bückeburg, Schaumburger Wald und Steinhuder Meer.
Als Adolf III. (1175 - 1225) nach längerer Abwesenheit von seinem Stammlande die letzten Jahre seines Lebens auf der Schaumburg verbrachte, nahm der die planmäßige Rodung im Dülwalde in die Hand. Nach seinem Tode (1225) wollte sein Sohn Adolf IV. Das schaumburg-lippische Rodungswerk forsetzen. Da er aber in Holstein beansprucht wurde, hat er den Probst des Rintelner Klosters nach Stadthagen gerufen und ihm die Fortsetzung der Rodung übertragen. Der Probst kannte von Bischoperode her die Gegend und war mit der Kolonisation vertraut. Von Stadthagen aus zogen die Siedler den Bach abwärts und es entstand der Ort Probsthagen.

Probsthagen ist eine für die Hagendörfer charakteristische Siedlung. Die Kolonie erstreckt sich den Bach entlang, die Höfe liegen an der rechten Seite der Dorfstraße und die Felder ziehen sich zu beiden Seiten der Höfe in langen Streifen bis zur Grenze der Nachbarsiedlung.
Bei der Anlegung des Dorfes wurde ein Waldstück in elf Hagenhufen vermessen und an ebenso viele Kolonisten verteilt, so daß die elf Siedlungsstellen enstanden. Eine Stelle ist später wüste geworden. Mit Axt, Hacke und Pflug wurde der Wald gerodet und in Kultur genommen.
Auch die Pfarre wurde in die Siedlung eingegliedert. Der Pfarrer erhielt zwei Hufen zu seinem Lebensunterhalt. Eine Pfarrhufe ist später abgetreten und ein Teil an die Höfe Nr. 1 - 3 abgegeben. Ein anderer Teil an die Küsterei und an Neubauer.
Ende des 16. Jahrhunderts hatte jeder Probsthäger Siedler schon rund 30 Morgen gewonnen. Nach einer Aufstellung von Blohm gab es in Probsthagen Ende des 16. Jahrhunderts 10 Halbmeier und 1 Brinksitzer, 1618/19: 2 Meier und 8 Halbmeier, 1 Kötter und 1 Kleinkötter; 1693: 1 Meier, 9 Halbmeier, 1 Brinksitzer (Nr. 13), 1 Straßensitzer (Nr. 14) und 2 Großkötter (Nr. 11 und 12). Die Höfe Nr. 1 - 3 haben sich mit der Zeit vergrößert, die übrigen alten Höfe haben ihre Größe ziemlich beibehalten. Die Höfe Nr. 1 - 10 bilden das alte Dorf, daneben ist mit der Zeit die Kottensiedlung entstanden.
Probsthagen gehört zu den 7 freien Hagen. Es erfreute sich dadurch gewisser Freiheiten und konnte auf Bauerntagen unter Leitung des Hachmeisters seine Angelegenheiten selbst ordnen.
Zur Zeit des 30-jährigen Krieges erlitt die wirtschaftliche Entwicklung der Siedlung großen Schaden. Die auf dem nahen Helwege durchziehenden Truppen brachten Einquartierung und Kornablieferungen und Plünderungen waren an der Tagesordnung. Es kam eine Zeit der Not, in der den Bauern es an Saatkorn, Ackergerät und Vieh fehlte. Nach dem Kriege sorgte man durch mancherlei Verordnungen für eine Besserung der Höfe. Der wüste Hof wurde von dem Brennereihofe in Lauenhagen in Bewirtschaftung genommen. In späteren Jahren kamen die Kolone durch fleißige Bearbeitung der Acker zu Wohlstand und viele kleinere Besitzer oder Arbeiter fanden lohnende Beschäftigung in Stadthagen.
Urkundliche Erwähnungen
1243 Praubsthagen
1309 Prouesteshaghen
1339 Prouesthaghen
1421 Provestehaghen
1549 Provesthagen
1587 Praweshagenn
1712 Probsthagen