Johannes-Kapelle in Lüdersfeld
Die
Johannes-Kapelle wurde als Tochter der Dyionysius-Kirche in Lindhorst
auf dem Grund und Boden von Ober-Lüdersfeld erbaut. Es ist ein
spätgotischer Saalbau aus Natursandstein aus dem 15. Jahrhundert
inmitten des alten Dorfkerns gelegen.
Über die Entstehung und Bestimmung der Kapelle berichtet der Magister Anthonius Nothold in seiner Lindhorster Chronik: es gäbe nur wenig schriftliche Nachrichten darüber, doch haben die Alten berichtet, daß sie von zwei adeligen Jungfrauen von Saldern und Halle gestiftet sei. Dieses wäre wohl glaublich, denn alles, wo die Kapelle steht und was da drumherumliegt von 9 Höfen mit aller Länderei, das hat vorher dem Herrn von Halle gehört.
So ist diese Kapelle von zwei Jungfrauen zu Ehren Gottes und der Enthauptung Johannes des Täufers gestiftet worden.
Die Kapell-Lüdersfelder waren ihrer Johannes-Kapelle stark verbunden. Dieses läßt sich daran erkennen, daß die Namenswahl für Hoferben oftmals den Namen Johann enthielten.
Gleichfalls
kamen die Bewohner Niedernholzes nach Lüdersfeld in die Kapelle.
Diese waren jedoch in den ersten Jahrhunderten den Lüdersfelder
nicht gleichgestellt. Sie hatten in der Kapelle keinen eigenen Platz.
1625 wurden laut Magister Nothold jeden ersten Septembersonntag - dem Sonntag nach Johannes Enthauptung - ein Gottesdienst abgehalten. Die Schulmeister hielten jeden Dienstag und Freitag Betstunden in der Kapelle ab. Nachdem der Lindhorster Kirchturm abbrannte und ersetzt werden mußte, wurden die Schulmeister aufgrund finanziellen Engpässen jedoch nicht mehr für ihre Kapellentätigkeit entlohnt. So ließ der Gottesdienst und die Betstunden in Lüdersfeld unweigerlich nach.
1720 beschwerten sich sich die Lüdersfelder und baten mit ihrem Schulmeister für eine Entlohnung desselben, um wieder Betstunden und Gottesdienste in der Kapelle abhalten zu können.
Gerade
für die alten und teils behinderten Leute, die den Weg zur
Lindhorster Kirche nicht mehr auf sich nehmen konnten. Die Betstunden
wurden danach wieder gebilligt, den althergebrachten Gottesdienst
konnten sie jedoch erst nach einem Rechtsstreit wieder aufnehmen.
1783 entfielen die Betstunden am Dienstag, mit der Zeit dann auch die Freitags-Andachten. Die winterlichen Sonntags-Gottesdienste wurden dagegen lange Zeit gut besucht.
Einen Abendmahl-Gottesdienst konnten die Lüdersfelder jedoch nicht durchsetzen. Dieses übernahm weiterhin der Pastor, der auf seinem Pferd zu den Alten und Gebrechlichen nach Hause geritten kam, um ihnen dort das Abendmahl zu erteilen.
Heute finden neben dem Kapellentag an allen hohen kirchlichen Feiertagen Kapellengottesdienste statt, weiterhin Passionsandachten, Abendmahlsfeiern und Bibelstunden.
Aufgrund der forschreitenden Ansiedelung in der Lindhorster Gemeinde wurde 1961 Lüdersfeld und Niedernholz nach 750 Jahren Lindhorster Verbundenheit nach Probsthagen umgemeindet.