Das alte Backhaus


heute Dorfmittelpunkt in Auhagen



Das kleine Fachwerkgebäude wurde um das Jahr 1790 erbaut. Ursprünglich diente es als Speicher auf einem Hof der an der Weser stand und einem Grafen gehörte.

Etwa 30 Jahre später, im Jahre 1819, verkaufte der Graf den ehemaligen Speicher an den Hagenmeister in Auhagen im Ortsteil Schier.

Zur Beförderung wurde das Haus gänzlich auseinander genommen und mit Pferdefuhrwerken über holprige Wege und Stege nach Auhagen gebracht.

Auf dem neuen Hof angekommen wurde das Fachwerkhaus wieder aufgebaut und bekam einen Backofen. Jetzt war der Speicher zu einem Backhaus umfunktioniert worden.

Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts hatte jeder Bauernhof sein eigenes Backhaus. Das Brotbacken gehörte zur regelmäßigen Arbeit auf dem Hof. Backhäuser umschlossen die volle Größe des Backofens und bestanden meist aus einem Lehm-Fachwerkbau. Gelegentlich gab es auch einen kleinen Raum angebaut, der entweder zur Aufbewahrung landwirtschaftlicher Geräte oder als Schlafkammer für einen Knecht diente.

In dem offenen Raum vor dem eigentlichen Backhaus stand der voluminöse Backtrog aus Eichenholz, in dem der Bauer den Teig bereitete. Schon am Tag zuvor wurde der Sauerteig angesetzt und dabei die kleine Menge zugefügt, die beim letzten Backen abgenommen worden war. War der Ansatz des Sauerteiges genügend gegangen, wurde von diesem wiederum ein Töpfchen voll abgefüllt, fest verschlossen und bis zum nächsten Backtag kühl gestellt.

Nach Gefühl und Augenmaß wurde nun eimerweise das Roggenmehl zum Sauerteig in den Backtrog gefüllt. Das nötige Wasser entnahm man dem Hofbrunnen. Es wurde im Bauernhaus abgekocht und lauwarm dem Mehl zugefügt. Nachdem noch Salz dazugegeben war, konnte mit dem Kneten begonnen werden - wie es damals üblich war mit bloßen Füßen.

Dann wurde der Backofen mit Torf, Holz und Eichenknubben angeheizt. Wenn die erforderliche Hitze erreicht war, rakte man mit einem Feuerhaken die Asche und Glut aus dem Ofen heraus. Der Backofen wurde mit einem Reisigbesen ausgefegt und die geformten Brote konnten nun mit den Holzschaufeln eingeschoben werden.

Durch die Hitze wurde das Roggenbrot, das sogenannte Schwarzbrot, gebacken. Während des Backvorganges wurden die Türen fest verschlossen und die dicht nebeneinander liegenden Brotlaibe blieben von der Mittagszeit an bis zum nächsten Morgen im Backhaus. Nach 20 Stunden waren die Brote gar.

Als der Bauer sich später entschloß, das Backhaus müßte dem Wohnhaus näher gebracht werden, wurde es auf Rollen Stück für Stück an den neuen Standort gebracht.

Im Jahre 1916 brannte der Bauernhof ab. Das Backhaus wurde jedoch vom Feuer verschont, diente dann aber für einige Zeit als Pferdestall. Später wurde es dann wieder als Backhaus benutzt.

Nach dem 2. Weltkrieg hörten die Bauern auf, ihr Brot selber zu backen und der Backofen verfiel.

Unbrauchbar geworden diente das Backhaus jetzt als Schuppen, bis im Jahre 1985 der Gemeinderat in Auhagen beschloß eine Dorferneuerung durchzuführen. Das Backhaus wurde zum Kulturdenkmal erklärt und sollte vollständig renoviert werden. Der Besitzer vermachte das Haus der Gemeinde. Damit das Kulturgut auch von jedermann zu besichtigen sei, mußte das Backhaus ein drittes Mal seinen Standort wechseln. Es wurde von Fachleuten ein weiteres Mal vorsichtig auseinander genommen und zu seinem neuen Standort - mitten im Dorf im Ortsteil Rähden - gebracht. Hier wurde es erneut aufgebaut. Das Backhaus bekam weiterhin einen neuen Ofen, der nach alter Beschaffenheit erbaut wurde.

Um das Backhaus herum entstand aus alten Sandsteinplatten eine Sitzgruppe. Zur Einweihung am 3. Oktober 1990 wurde eine Friedenseiche zur rechten Seite gepflanzt. Die Einweihungsfeier war am 28. Oktober 1990 und der Ofen wurde wie in früheren Zeiten angeheizt, um große Platten mit Kuchen zu backen. Seit der Einweihung wird im Backhaus auf gelegentlichen Veranstaltungen wieder gebacken.




Im Jahr 2007 gesellte sich zu dem alten Backhaus ein im selben Stil errichtetes Nebengebäude, mit einer Toilettenanlage und einem Abstellraum. Das von der Gemeinde und dem Männergesangverein Concordia Auhagen erbaute Häuschen dient zur Vervollständigung des Backhauses, denn an den regelmäßig stattfindenden Backtagen gehören ein Wasseranschluss und Toiletten dazu. Die Anlage wurde mit einem „Tag der offenen Tür“ am Sonntag, den 28.10.2007 eingeweiht.












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